| Beitragsseiten |
|---|
| Auf dem Weg zu Reichtum |
| Lohnarbeit |
| Alle Seiten |
Wenn es einen Vorschlag gibt, der zur Zeit die Zustimmung von nahezu jedermann erhält, dann ist es die Behauptung, dass wir mehr Arbeitsplätze benötigen. Ein „Heilverfahren gegen Arbeitslosigkeit“ ist versprochen, oder es wird von allen „großen Denkern“ ernsthaft danach gesucht – diese Sucher reichen von Jimmy Carter bis zur Kommunistischen Partei der USA, von Ronald Reagan bis zum Chef der Wirtschaftsabteilung an der lokalen Universität, von den Bircherianern bis zur neuen Linken.
Jede Technologie und jede nationale Spezies wie der Homo Sapiens zielen unvermeidlich auf das, was Buckminster Fuller als Ephemerisierung oder „Mehr-mit-weniger-tun“ bezeichnet. So „tut“ beispielsweise ein moderner Computer (er liefert mehr Informationsteilchen), und zwar mit weniger Hardware als die Protocomputer der späten vierziger und fünfziger Jahre. Ein Arbeiter an einer modernen Lichtsetzmaschine vollbringt in einer Stunde mehr als tausend mittelalterliche Mönche, die ein Jahrhundert lang emsig Pergamentrollen abgeschrieben haben. Die atomare Spaltung erbringt mit einem Kubikzentimeter Material mehr, als alle Ingenieure des 19. Jahrhunderts mit einer Million Tonnen erbringen konnten – und die Kernfusion birgt noch größere Möglichkeiten in sich.
Diese Tendenz zur Ephemerisierung oder zum „mehr-mit-weniger-tun“ basiert auf zwei Hauptfaktoren:
1. Der Verbindungsgewinn – ein von dem Ingenieur C. H. Douglas geprägter Begriff – bedeutet einfach, dass wir mit vereinten Bemühungen mehr tun können, als wir mit der Summe der Einzelbemühungen erreichen würden. Fünf Leute, die zusammenwirkend handeln, können ein kleines Auto heben – probiert dies aber jeder für sich allein, so wird sich der Wagen kaum von der Stelle bewegen. So, wie sich die Gesellschaft von winzigen Banden zu größeren Stämmen, von Stammesverbänden zu Stadtstaaten, von nationalen zu multinationalen Verbindungen ausgeweitet hat, so hat auch der Verbindungsgewinn expotential zugenommen. Eine Jägerschar der Steinzeit konnte das Parthenon nicht errichten; ein Stadtstaat der Renaissance konnte Neil Armstrong nicht auf den Mond bringen. Wenn der Verbindungsgewinn auf Grund größerer sozialer Einheiten zunimmt, so wird das „Mehr-mit-weniger-tun“ in zunehmenden Ausmaßen möglich.
2. Dem Wissen selbst wohnt die stete Erweiterung inne. Jede Entdeckung „legt“ weitere Entdeckungen nahe; jede Erfindung fordert andere Erfindungen heraus. Dies ist direkt aus den Aufzeichnungen des US-Patenbüros ersichtlich, wo jedes Jahr mehr Patente gewährt werden als im Vorjahr – eine steigende Kurve, die ins Unendliche zu klettern scheint. Wenn der Erfinder A aus zwanzig Einzelteilen ein Was-auch-immer bauen kann, so wird Erfinder B ein Was-auch-immer aus zehn Einzelteilen und Erfinder C ein solches aus fünf Einzelteilen konstruieren. Hatte der Technologe um 1900 einem Was-auch-immer 100 Erg entlockt, so bringt es der Technologe von 1950 auf 1.000 Erg, und im Jahr 2.000 werden es 100.000 Erg sein. Auch hier geht die Tendenz stets in Richtung „Mehr-mit-weniger-tun“.
Arbeitslosigkeit wird unmittelbar durch das technische Vermögen des „Mehr-mit-weniger-tun“ verursacht. Viele tausend Mönche sind von Gutenberg „technologisch“ zur Arbeitslosigkeit verurteilt worden. Viele tausend Hufschmiede haben durch Fords Motell T. „technologisch“ ihre Arbeit verloren. Als Beweis dafür, dass das „Mehr-mit-weniger-tun“ die menschliche Arbeit um so weniger notwendig macht.
Aristoteles sagte einst, dass die Sklaverei nur abgeschafft werden könne, falls Maschinen gebaut würden, die sich selbst bedienen. Arbeit gegen Lohn, die moderne Äquivalente zur Sklaverei – sehr zutreffend von Gesellschaftskritikern als „Lohnsklaverei“ bezeichnet -, steht mitten im Prozess, von derartigen sich selber bedienenden Maschinen aufgehoben zu werden. In der Tat hat Norbert Wiener, einer der Begründer der Kybernetik, dies vorausgesehen und bereits 1947 davor gewarnt, dass sich eine große Arbeitslosigkeit einstellen werde, sobald die Computerrevolution wirklich einzusetzen beginnt.
Darüber kann man diskutieren, und ich für meinen Teil würde meinen, dass der einzige Grund, warum Wieners Voraussage noch nicht völlig eingetroffen ist – obwohl die Arbeitslosigkeit stetig zunimmt -, darin liegt, dass die großen Zweckverbände, die Gesellschaft und der Staat, stillschweigend übereingekommen sind, den Lauf der Kybernetik zu verlangsamen, sich Zeit zu lassen und die Wirtschaft nur mit angezogenen Bremsen in Gang zu halten. Dies alles beruht darauf, dass sie alle die Arbeitslosigkeit immer als „Krankheit“ betrachten und sich keinerlei „Heilverfahren“ gegen die nahezu absolute Arbeitslosigkeit vorstellen können, wie sie die vollständige Kybernetik herbeiführen wird.
Nehmen wir für einen Augenblick an, dass wir diesen calvinistischen Begriff-Set ablehnen würden. Betrachten wir die Lohnarbeit – und so betrachten sie die meisten Leute tatsächlich – als einen Fluch, als Belastung, als Ärgernis und Schranke, die zwischen uns und dem, was wir wirklich tun möchten, steht. In diesem Fall ist deine Arbeit die Krankheit und die Arbeitslosigkeit das Heilverfahren.










